Singende Nacht, Aufruf zur Teilnahme

Good Night Assembly

Einladung an Chöre, Vokalensembles und Singgruppen aus der Stadt

Lange Nacht der Museen 2026

Samstag, 29.08.2026, 20:45-23:00

Tieranatomisches Theater, Hörsaal

Barrierefrei, freiwillig

Gesang in allen Sprachen | Moderation auf Deutsch und Englisch

Leichte Sprache Version ↓

„Ein Lied bewegt sich immer auf ein hörendes Ohr zu, irgendwo in der Zukunft.“ — John Berger

Zur diesjährigen Langen Nacht der Museen laden wir Chöre, Vokalensembles und Singgruppen aus der Stadt zu einem nächtlichen Gesangstreffen unter der Kuppel des Tieranatomischen Theaters ein. Unter den Fresken, die Bernhard Rode 1790 für die Kuppel malte, erscheint die Veterinärmedizin als eine Praxis der Fürsorge, aber auch der Wachsamkeit und Kontrolle. Kann die Stimme diese Spannung heilen?

Ausführliche Beschreibung der historischen Kuppelfresken im Tieranatomischen Theater

Räumliche und visuelle Beschreibung

Rund um den kreisförmigen Hörsaal des Tieranatomischen Theaters erhebt sich eine Kuppel mit konzentrischen, gemalten Ornamenten. Die Malerei erinnert an architektonische Strukturen, die sich nach oben hin in eine optische Täuschung auflösen. Die Muster überlagern und durchkreuzen einander wie ein geflochtenes Gewebe, das sich zum Oberlicht in der Mitte der Kuppel öffnet. Zwischen den Fenstern unterhalb der Kuppel bewegen sich menschliche und tierische Figuren durch Szenen voller Nähe und Mehrdeutigkeit.

Ein Hund richtet sich zu einer sitzenden Person auf und leckt ihr die Nase. Ein anderer liegt zusammengerollt zu Füßen eines Bogenschützen – oder ist es ein Jäger? Unter herabhängenden Girlanden aus Blättern und Früchten lehnen Körper aneinander. Es wirkt, als bereiteten sie eine Zeremonie vor oder verweilten nach ihrem Ende.

Eine kräftige Figur trägt einen Widder auf den Schultern.

Manche Figuren scheinen Wache zu halten, andere ruhen. Einige Körper wirken erschöpft, nachdenklich, trauernd oder bereits in den Schlaf gleitend.

Es ist schwer zu erkennen, ob etwas gerade beginnt oder längst vergangen ist.

Unter der Kuppel führen hölzerne Sitzreihen in konzentrischen Kreisen zum Mittelpunkt des Raumes hinab. Der Raum erinnert an ein kleines Theater, das sich nach innen richtet. Alle Anwesenden teilen denselben Aufmerksamkeitsraum. Klänge breiten sich leicht aus. Das Lindenholz knarrt schon bei kleinsten Bewegungen. Eine Gewichtsverlagerung, ein Flüstern oder ein Atemzug können unter der Kuppel weit getragen werden.

In diesem Raum bleibt niemand akustisch unbemerkt.

Historische Resonanzen: Fürsorge und Kontrolle

Die Fresken wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Bernhard Rode gemalt. Sie waren Teil einer größeren Allegorie der Veterinärmedizin als einer damals neu entstehenden Disziplin der Fürsorge. Menschliches und tierisches Leben erscheinen darin innerhalb desselben visuellen und ethischen Bezugsraums: Beziehungen von Heilung, Führung, Arbeit, Abhängigkeit, Begleitung, Ansteckung und Kontrolle.

Das Tieranatomische Theater trägt jedoch auch eine andere Geschichte in sich: die Geschichte von Beobachtung, Klassifizierung, Sektion und der Instrumentalisierung tierischen Lebens im Namen der Wissenschaft. Es ist ein Ort der Tiermedizin und des gemeinsamen Lernens, an dem Fürsorge und Kontrolle bis heute in der Architektur selbst miteinander verwoben sind.

Die Figuren über uns bleiben in diesen Widersprüchen verankert.

Zur diesjährigen Langen Nacht der Museen (Samstag, 29.08.2026) laden wir Chöre, Vokalensembles, Singgruppen und Menschen, die mit kollektiven Stimmpraktiken arbeiten, ein, unter der Kuppel zusammenzukommen und mit diesen Fresken in Resonanz zu treten – im Rahmen eines nächtlichen Gesangstreffens.

Für eine Nacht laden wir Sie ein, dabei zu helfen, das Gebäude

– und die Wesen, die seine Kuppel bevölkern – in den Schlaf zu begleiten.

Wie Jonathan Crary uns erinnert, ist „der Schlaf eine der wenigen verbliebenen Erfahrungen, in denen wir uns – bewusst oder unbewusst – in die Obhut anderer begeben.“

Ein Wiegenlied begleitet diesen Übergang: jenen Moment, in dem die Wachsamkeit nachlässt, der Atem ruhiger wird und sich ein Körper der Nähe eines anderen anvertraut.

Uns interessieren die Klänge, mit denen sich Körper gegenseitig in die Ruhe, in den Schlaf und durch Übergänge begleiten: Wiegenlieder, Lamenti, Summklänge, Atemrhythmen, Pfiffe, Bordune, Flüstern, wiederholte stimmliche Gesten, Hirtenrufe, Nachtlieder, Nachtgesänge und mehr-als-menschliche Stimmpraktiken.

Lieder für jene, die wachen.

Lieder für jene, die vielleicht nicht mehr erwachen.

Welche Klänge begleiten Körper in die Ruhe? Welche Stimmen bleiben wach, während andere schlafen? Was bedeutet es, über ein anderes Lebewesen durch die Nacht zu wachen?Und wird das eine lange Nacht werden?

Wie klingt Gefährtenschaft?

Welche Klänge nutzen wir, um einander zu beruhigen, zu versammeln, zu leiten, einander zu folgen oder einander zu schützen? Wie rufen wir Körper näher zu uns?

Wir laden die teilnehmenden Gruppen ein, ein Stück Nähe mitzubringen, das das Gebäude klanglich bewohnen kann.

Im Laufe des Abends begleitet die Künstlerin, Moderatorin und ganzheitliche Stimmpraktikerin Agnieszka Bulacik die Übergänge zwischen den Beiträgen und gemeinsame Momente des Zuhörens. So entsteht nach und nach ein temporäres vokales Fresko unter der Kuppel.

Wie kann man an der Good Night Assembly teilnehmen?

Wir freuen uns über Beiträge von Chören, Vokalensembles, Singgruppen und Menschen, die mit kollektiven Stimmpraktiken arbeiten und den Hörsaal durch Klang, Fürsorge, Zuhören und nächtliche Präsenz beleben möchten.

Blinde und sehbehinderte Personen sind herzlich willkommen.

Das Tieranatomische Theater ist barrierefrei zugänglich. Ein Aufzug führt in den Hörsaal. Die oberen Bereiche der ansteigenden Sitzreihen sind nicht mit dem Rollstuhl zugänglich.

Wenn Sie bei der Good Night Assembly mitsingen möchten, senden Sie uns bitte bis zum 12. Juli 2026 per E-Mail:

– eine kurze Vorstellung Ihres Ensembles oder Ihrer Praxis – eine Gesangsaufnahme (Audio oder Video-Link/Datei) – einige Worte zu dem Lied oder der Stimmpraxis, die Sie im Zusammenhang mit dem Thema der Good Night Assembly einbringen möchten

Die Veranstaltung ist Teil von Das Zu-hörende Theater– dem langfristigen Audioguide- und Audiowalk-Projekt für den Campus Nord der Humboldt-Universität zu Berlin. Ausgewählte Live-Aufnahmen des Abends werden später Teil des Klangarchivs des TA T Audioguides und setzen ihren Weg zu zukünftigen Zuhörer*innen fort.

Die im Rahmen der Bewerbung eingereichten Informationen und Materialien werden ausschließlich für die Auswahl und Organisation der Good Night Assembly verwendet. Sie werden weder veröffentlicht noch außerhalb des Projektteams weitergegeben.

Datenschutzhinweis

Die im Rahmen dieses Open Calls eingereichten Informationen und Materialien werden ausschließlich für die Auswahl und Organisation der Good Night Assembly verwendet.

Zugang zu den Bewerbungsunterlagen hat ausschließlich das Projektteam.

Ausgewählte Teilnehmende erhalten weitere Informationen zu Dokumentation, Audioaufnahmen, Einwilligungserklärungen sowie zur möglichen Aufnahme von Veranstaltungsaufzeichnungen in das Klangarchiv des Audioguides von Das Zu-hörende Theater.

Kuppelausmalung mit allegorischen Szenen kollektiver Tierzucht und -haltung – Gesamtansicht der Kuppel: illusionistische Kassettierungen und Gurtbögen, Szenenabfolge



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Lange Nacht der Museen

Die Veranstaltung ist Teil des Programms der Langen Nacht der Museen 2026.

Dauer: ca. 2 Stunden. Durchführung in deutscher und englischer Sprache.

Gesang in allen Sprachen willkommen.

Weitere partizipative Veranstaltungen

  • Partizipative Forschung und Wissensaustausch

    Juni-Oktober 2026

    Offen für Beteiligung

    Tieranatomisches Theater & Campus Nord

    Das Zu-(hörende) Theater

    Mehr: Das Zu-(hörende) Theater
  • Singende Nacht, Aufruf zur Teilnahme

    Samstag, 29.08.2026, 20:45-23:00

    Lange Nacht der Museen 2026

    Tieranatomisches Theater, Hörsaal

    Gute Nacht Versammlung

    Mehr: Gute Nacht Versammlung
  • Hörarchiv, Erinnerungssammlung

    24.06.26 – 13.09.26

    Offen für Beiträge

    Kontakt per E-Mail | Termin vereinbaren | Besuch in Raum 102

    Erinnerungen an diesen Ort gesucht

    Mehr: Erinnerungen an diesen Ort gesucht

Impressum

  • Konzept & Kuratierung: Paz Ponce
  • Gastforscherin und Moderatorin: Agnieszka Bulacik
  • Licht: Fanny Welz
  • Projektmanagement: Antonia Willisch
  • Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Paz Ponce

Projektpartner

Leichte Sprache

Ein Lied geht weiter. Es sucht ein Ohr, das ihm zuhört. Vielleicht hört jemand erst in der Zukunft zu. Vielleicht hört jemand an einem anderen Ort zu. — nach John Berger

Ein Abend zum gemeinsamen Singen im Tieranatomischen Theater

Am 29. August findet die Lange Nacht der Museen statt.

Wir laden Chöre und Gesangsgruppen in den runden Hörsaal des Tieranatomischen Theaters ein.

Dieses Gebäude hat eine lange Geschichte.

Menschen kamen hierher, um etwas über Tiere und Tiermedizin zu lernen.

Hier wurden Tiere versorgt und gepflegt.

Hier wurden Tiere für die Forschung benutzt und seziert.

Manchmal macht uns diese Geschichte traurig.

Für einen Abend möchten wir das Gebäude mit Stimmen, Zuhören und Fürsorge füllen.

Wir werden Wiegenlieder, Nachtlieder, Hirtenrufe, Summen und andere stimmliche Klänge miteinander teilen.

Wir werden einander zuhören.

Wir werden den Gesang aufnehmen.

Einige Aufnahmen werden Teil des Audioguides von Das Zu-hörende Theater.

Die Künstlerin und Stimmpraktikerin Agnieszka Bulacik wird durch den Abend führen und gemeinsame Momente des Zuhörens zwischen den verschiedenen Beiträgen gestalten.

Wer kann mitmachen?

Willkommen sind:

  • – Menschen, die mit traditionellen oder experimentellen Stimmpraktiken arbeiten
  • Chöre
  • Vokalensembles
  • Gesangsgruppen
  • Stimmpraktiker*innen

So können Sie teilnehmen

Senden Sie uns bis zum 12. Juli 2026 eine E-Mail.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Gruppe.

Senden Sie uns eine kurze Audio- oder Videoaufnahme.

Erzählen Sie uns, was Sie singen möchten.

Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören.

Datenschutz

Wir verwenden Ihre Bewerbung für die Organisation der Good Night Assembly.

Nur das Projektteam wird die Materialien lesen und anhören, die Sie uns senden.

Vor der Veranstaltung erhalten die teilnehmenden Gruppen weitere Informationen zu Audioaufnahmen, Einwilligungserklärungen und zum Ablauf.

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